Hochwasserbericht

Langanhaltender Regen sorgt für Hochwasserlage

Nachdem langeanhaltende, starke Regenfälle an den Vortagen bereits eine kritische Hochwassersituation erahnen ließen, spitzte sich die Lage dann am Freitag, 31.05.2024 zu. Nachdem das neu installierte Pegelmesssystem "NOYSEE" gute Aufschlüsse über den Anstieg des Tobelbachs gab, berief ich um 17:00 Uhr eine Lagebesprechung mit der Feuerwehr ein. Daraufhin versetzte Kommandant Martin Schlecker die Wehr über die neue Alarmierungs-App "Alamos" der Gemeinde Emerkingen in Bereitschaft und forderte das Einrücken der ersten Kameraden an, um die ersten, wichtigen Schritte umzusetzen.

Weil erneut viel Wasser von den Oberliegergemeinden des Tobelbachs und aus dem Hausemer Graben zulief, war der Tobelbach im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Erfreulicherweise war der Maisentalgraben wenig problematisch. Dort wirkten die umgesetzten Hochwassermaßnahmen, unter anderem mit dem Bau des neuen Einlaufs, äußerst positiv. Der Sensor an der Abzweigung Richtung altes Sportgelände lieferte zudem konstant Pegelstände, mit denen die Lage dort sehr gut im Blick war. Mit insgesamt fünft Pegelsensoren hat die Gemeinde Emerkingen damit die höchste Anzahl an Sensoren je Gemarkungsgebiet im Einzugsbereich Stehenbach. Das hat sich bewährt, weil die Wasserlagen durchgängig gut beurteilt werden konnten – auch von den betroffenen Anliegern. Diese setzten frühzeitig ihre privaten Hochwasserschutzmaßnahmen um.

Foto einer Wasserbarriere der Freiwilligen Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr baute indes die Wasserbarrieren im Unterdorf aufzubauen. Dies ging in einer bemerkenswert kurzen Zeit von rund 40 Minuten vonstatten. Parallel wurden Sandsäcke vor Ort gebracht, während die Gemeindeverwaltung vorsorglich die Evakuierung einer Person auf den Weg brachte. Dann war Beobachten, Warten und Hoffen angesagt. Ziel war es, den Einstau des Hochwasserrückhaltebeckens so lange als möglich hinauszuzögern, um genügend Reserven für langanhaltendes Hochwasser zu haben. Das Becken wurde die gesamte Nacht hindurch in engen Abständen überpüft und angepasst. So ist es am Ende gelungen, das Wasser cm-genau durch das Unterdorf und die dortigen Verdolungen zu lenken. Kommandant Martin Schlecker nutzte die ebenfalls neu angeschaffte Einsatzsoftware für Hochwasserereignisse "Fliwas" und dokumentierte die Situationen, um für später wichtiges Material zur Auswertung zu haben. Dass wir dies bei den Hochwassern 2016 und 2021 bereits ausführlich praktiziert haben, zahlte sich bei der Beurteilung der Lagen aus.

-Da der Tobelbach nach dem Ort im Bereich der Gemeindeverbindungsstraße Emerkingen-Rottenacker an einigen Stellen über die Ufer trat, wurde dort verkehrstechnisch abgesperrt.

Foto vom Hochwasserstand des Tobelbachs
Foto vom Hochwasserstand des Tobelbachs

Die kritischen Stunden zwischen 02:00 und 05:00 Uhr lieferten zum Glück weniger Regenmengen als angekündigt, weshalb die Pegel langsam stagnierten. Damit war am Samstag die erste Herausforderung gemeistert.

Doch dies sollte nicht alles gewesen sein. Nachdem am Sonntagabend ein Starkregen auf das Einzugsgebiet des Tobelbachs niederging, schwollen die Pegel erneut an. Hier war vor allem die Geschwindigkeit des Anstiegs ungewöhnlich. Dieser konnte aber ebenfalls gut über die Pegelsensoren verfolgt und vorhergesagt werden. So wurden die Kameradinnen und Kameraden erneut in Bereitschaft versetzt und die notwendigen Maßnahmen vorbereitet. Weil auch hier für die Stunden nach 03:00 Uhr nochmals Starkregen vorhergesagt wurde, war das Rathaus die ganze Nacht besetzt, um die Lage vor allem am Hochwasserrückhaltebecken im Auge zu behalten. Letztendlich blieben die Marken knapp 8 cm unter dem Pegel vom Freitag und am Montag entspannte sich die Lage zusehends.

Deshalb bauten die Jugendfeuerwehr am Montagabend die Barrieren im Unterdorf wieder ab.

Foto der Jugendfeuerwehr Emerkingen
Foto der Jugendfeuerwehr Emerkingen

So gilt an dieser Stelle mein herzlicher Dank den Feuerwehrkameradinnen und -kameraden, der Jugendfeuerwehr sowie dem Bauhof, die Hervorragendes geleistet haben. Bestens koordiniert lief alles Hand in Hand. Mein Dank gilt auch den Anwohnern, die die neue Pegeltechnik ebenfalls rege genutzt haben, die ihre privaten Maßnahmen für den Hochwasserfall verstärkt haben, die vor allem aber Ruhe bewahrt haben. Ein großer Dank gilt abschließend der Spedition Grab. Dort können wir im Ernstfall jederzeit auf die Paletten zurückgreifen, mit denen wir die Barrieren im Unterdorf bauen können.

So konnten die Musikertage hier in Emerkingen trotz Dauerregen und Hochwasser ohne Unterbrechung stattfinden, wo andernorts die Feste abgebrochen werden musste. Dazu hat die 2018 durchgeführte und gut geplante Sanierung des Festplatzes maßgeblich beigetragen. Das wurde uns von den Musikerinnen und Musikern erfreulicherweise zurückgespiegelt.

Paul Burger,Bürgermeister